Festspiel der deutschen Sprache

Festspiel der deutschen Sprache

Sprache kann als reines Kommunikationsmittel dienen, sie kann aber auch als Kulturgut bewusst vielfältig gestaltet und ausgeformt werden. In diesem Sinn, so gewinnt man den Eindruck, hat die deutsche Sprache als Kulturgut in den letzten Jahren sehr an Bedeutung verloren. Elektronische Medien tragen wesentlich dazu bei. E-Mails, SMS, Twitter und Facebook sind zu wichtigen Kommunikationsmitteln geworden. Sie zwingen zur Knappheit, Standardisierung und spontan hingeschriebenen Floskeln. Stilistische Reichhaltigkeit, Nuancierung des Ausdrucks, bewusste Sprachgestaltung, das, was für viele die Schönheit unserer Sprache mit ihren über die Jahrhunderte entstandenen Ausdrucksmitteln ausmacht, ist dabei weitgehend untergegangen. Müssen wir das so hinnehmen? Nein! Wir sollten uns bei der Sprache auf unsere kulturelle Eigenart besinnen.

Kammersängerin Edda Moser ist es ein besonderes Anliegen, unsere Muttersprache in ihrer Vielfalt und Schönheit zu zeigen und zu erhalten. Sie fand Zustimmung in der Politik, bei Kulturschaffenden und Vertretern der Wirtschaft. Und so gründete sie im Jahre 2006 das Festspiel der deutschen Sprache, das einen wichtigen Platz innerhalb einer seit Jahren anhaltenden Debatte über die Veränderungen der deutschen Sprache einnimmt.

Einmal jährlich lädt Edda Moser bekannte Schauspieler zu einem Rezitationsabend deutscher Lyrik und Prosa aus verschiedenen Jahrhunderten ein. Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung vom 19. Oktober 2006 auf der Heidecksburg in Rudolstadt empfahl Bundesaußenminister a. D. Hans-Dietrich Genscher das historische Goethe-Theater in Bad Lauchstädt als Festspielsitz. Eine gute Wahl! So findet seit 2007 das Festspiel der deutschen Sprache jeweils in der ersten Septemberhälfte in dem nach Goethes Plänen 1802 errichteten Theaterbau statt. Namhafte Schauspieler wie Mario Adorf, Corinna Harfouch, Ernst Jacobi, Burghart Klaußner, Pauline Knof, Sebastian Koch, Gudrun Landgrebe, Ulrich Matthes, Markus Meyer, Axel Milberg, Udo Samel, Maximilian Schell, Otto Schenk, Hans Stetter und Katharina Thalbach haben hier ihre Sprachkunst gezeigt.

Nach vier Rezitationsabenden ging Festspielleiterin Edda Moser 2010 mit der rein szenischen Lesung von Schillers „Kabale und Liebe“ bewusst neue Wege, um die sprachliche Wirkung weiter zu steigern. Der Abend war ein umjubelter Erfolg. Die Mitteldeutsche Zeitung schrieb: „Das Drama feiert die Macht der Sprache … Dass Sprache abstrakte Gefühle so genau wie konkretes Geschehen benennen kann – hier wurde es bewiesen.“ So soll das Erfolgsrezept fortgesetzt werden: in diesem Jahr mit einer szenischen Lesung von Goethes „Faust – der Tragödie erster Teil“. Und die Veranstalter sind zuversichtlich, dass damit das ausschließlich von Sponsoren finanzierte „Festspiel“ auch in diesem Jahr ein kultureller und gesellschaftlicher Höhepunkt werden wird.

Schirmherr ist der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt (von 2007 bis 2010 Professor Dr. Wolfgang Böhmer, seit 2011 Dr. Reiner Haseloff). Die Staatskanzlei Sachsen-Anhalt ist Mitorganisatorin des Festspiels.

Der ehemalige Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks, Professor Dr. Udo Reiter, unterstützt ebenfalls das Festspiel und fördert die mediale Verbreitung. Traditionell sendet der MDR eine Zusammenfassung des Festspiels im Abendprogramm des MDR-Fernsehens und einen Mitschnitt des gesamten Programms im Hörfunk MDR-Figaro.

Verleger Stefan Lübbe und seine Verlagsgruppe Bastei Lübbe sowie die Ursula Lübbe Stiftung sind Mitbegründer und Mitorganisatoren des Festspiels. Lübbe Audio dokumentiert die einzigartigen Theaterabende auf Hörbuch. Der Nettoerlös der Festspiel-Edition wird vollständig dem Förderverein des Goethe-Theaters bzw. dem Festspiel der deutschen Sprache zur Verfügung gestellt. Das ist möglich, weil alle Mitwirkenden wie auch die Rechte gebenden Verlage auf ein gesondertes Honorar für die Hörbuchveröffentlichung verzichtet haben. Wir danken ihnen!

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